Lyrik des Allabends


Wenn du schwer erkältet bist und dir der Bus vor der Nase davon fährt, der Busfahrer blöd grinst, weil er wieder einen draußen stehen hat lassen. Wenn du dann so da stehst, hustend, mit dauern rinnender Nase und der Wind dir eiskalt ins Gesicht bläst, ist dir wohl nicht nach der „Lyrik des Alltags“ zumute. Wenn du dann trotzdem nicht fluchst und jammerst, liegt das weniger daran, dass du ein unerkannter Held bist. In Wahrheit bist du nur ausgelaugt und müde. Prosaisch müde. Nicht einmal die frustrierten Gesichter, die es so nur in Wien gibt, können dir etwas an. Dieser Zustand kurz vor dem Schüttelfrost ( während ich das schreibe hält der Bus an der Station Schüttelstrasse- was für ein böser Witz)  hat etwas tänzelndes, traumschwangeres an sich. Er macht dich mild und nachsichtig. Sie sind alle nur Menschen wie du: frierend, müde mit schmerzendem Rücken und müden Gliedern. Alle hungern sie nach Mitleid und Nähe nach Wohlwollen und einem warmen Getränk. Selbst die banale Erkältung birgt ein kleines Lied in sich- ein Lied auf den Menschen, wie er ist

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s