Ich höre immer „Schisma“

images

In Multiloquio non effugies peccatum, sagt der Hl. Benedikt. Worte haben nicht bloß eine unbestimmte Wirkung, sie schaffen Fakten. Das dieser Tage in den sozialen Medien häufig gewordene Gerede vom innerkirchlichen Schisma ist alles andere als harmlos. Akkurat seit „Amoris Laetitia“ wird aus einer bestimmten Ecke eine Spaltung herbeigeredet, das nichts mit Freude und noch weniger mit Liebe zu tun hat. Dass das Schlussdokument zu den beiden Familiensynoden für manche starke Kost ist, scheint evident, doch damit teilt es das Schicksal vieler Dokumente des II Vatikanums, vor allem aber auch von Humanae Vitae und anderen päpstlichen Lehrschreiben. Ja, Dissens ist meines Erachtens sogar ein Kontinuum durch die Geschichte der Kirche hindurch. Angefangen von der Entscheidung des sogenannten Apostelkonzils, das bereits die frühen Christen polarisierte über all die wichtigen Entscheidungen der Konzile und Päpste in der Geschichte: die Einheit der Kirche gründete selten auf einer simplen Einmütigkeit in Lehrfragen. Die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit kam bekanntlich nicht unwesentlich durch die Abreise zahlreicher Konzilsväter vor der Abstimmung zustande. Die „altkatholischen“ Abspaltungen in seiner Folge blieben trotzdem Marginalien. Von Schisma keine Rede. Aber von begeisterter Einmütigkeit konnte damals wohl auch nicht die Rede sein. Kein geringerer als der emeritierte Papst hat in seinen jüngst veröffentlichten „letzten Gesprächen“ gestanden, dass er im Priesterseminar bei aller Katholizität ein gewisses distanziertes Verhältnis zu „Rom“ vermittelt bekam, sodass er erst sehr spät dazu kam, eine Pilgerreise zu den Apostelgräbern zu machen. Kurz: was die Einheit der Kirche ausmacht ist keine unterwürfige Ergebenheit sondern eine Einheit, die im Eigentlichen wurzelt: in der Feier der einen Eucharistie und im einen Gebet. Der Hl. Ignatius von Antiochien, jener große Märtyrer der frühen Kirche- heute haben wir seiner gedacht- wusste aus eigner Erfahrung sehr gut um die gar nicht selbstverständliche Einheit der Kirche. Aber statt sie „wegzureden“ , schrieb er an die verschiedenen Ortskirchen flammende Apelle zur Einheit in der Agape, die er vor allem in der Eucharistie verwirklicht sah und in der Person dessen, der dieser vorsteht: des Bischofs nämlich und schon er sprach unter anderem von der Kirche in Rom, die den Vorsitz in dieser Liebe (agape) hat.
Wer daher nun von Schisma und Spaltung redet, statt der Einheit der Kirche zu dienen- auch mit dem Engagement in den sozialen Medien- muss sich von Ignatius von Antiochien fragen lassen, ob er etwas verstanden hat, von der Einheit der Kirche und ob sie ihm/ihr denn auch wirklich Herzensanliegen ist. Wenn ja, dann achte jeder auf seine Wortwahl und die Begriffe, die er in Umlauf bringt

Advertisements

Ein Gedanke zu “Ich höre immer „Schisma“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s