zu-Mutung

Wenn jemand sagt, das Christentum sei eine Religion der Liebe, bekomme ich Gänsehaut. Nicht einmal um Nächstenliebe geht es.
Unmögliches ist angesagt- eine empörende Forderung, die jede Vernunft übersteigt: es geht darum, den Feind zu lieben. Und verwechselt das nur ja nicht mit paradoxer Intervention! Es geht tatsächlich darum, dem Feind Gutes zu wollen und Gutes zu tun. Ohne Bedingungen, ohne Erwartungen. Es ändert sich nichts: der Feind bleibt Feind. Er wird mir vermutlich nicht besser gesonnen sein, nur weil ich ihm Gutes will. Im Gegenteil: Er wird es mir als Schwäche auslegen und mich erst recht treten und verhöhnen. Und trotzdem soll ich ihn lieben.
Das, Herrschaften, ist der Anspruch des Evangeliums. Und da komme mir noch ein nach Macht und Kraft strebender Nietzsche daher und jammere mir das Christentum als verweichlichte, feminine Religion krank! Nirgendwo wächst der Mensch mehr über sich hinaus, als in der Feindesliebe.
Ob ich das erlebt habe? Kaum, denn wenn überhaupt ist mir die Feindesliebe bisher höchstens in Ansätzen gelungen, in Spuren und dann meist in ihr Zerrbild gerutscht: in Nachgiebigkeit und verwaschene Toleranz.
Feindesliebe welch ein großartiger Wahnsinn, aber was für eine ungeheure Kraft steckt in ihr! Was für eine Umkehrung der Werte, was für eine Revolution! Ihr Preis aber ist zumindest das eigene Leben.
 
 
 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s