Leben – nicht nur bis zum Ende

Es war genau vor elf Jahren, ein Samstag in der Osteroktav -genau wie heute- in der ein Mensch starb, der Welt und Kirche tief prägte. Ein Mensch mit vielen Ecken und Kanten. Zu authentisch, als dass man sich nicht  an ihm rieb und sogar noch im Nachhinein reibt. Gleichzeitig aber einer, dessen Faszination weit über das fromme, binnenkirchliche Milieu hinausreichte.  Viel ist über ihn und vor allem auch über seinen langen unübersehbaren körperlichen Verfall und sein  Sterben, das von der Öffentlichkeit intensiv begleitet wurde, diskutiert worden. Dennoch  gibt es kaum einen, den gerade das Finale dieses intensiven Lebens kalt gelassen hätte. Der Tod wurde nicht nur nicht tabuisiert, er wurde bis zum Ende durchgetragen.

Im Rückblick scheint klar, dass Karol Wojtyla- Johannes Paul II- gerade in Krankheit und Tod sein ganz persönliches Zeugnis für das Leben geben wollte. Das Thema, das ihn umtrieb, war das Leben in all seinen Dimensionen. Da waren  Leiden, Schmerzen, Tod keine beliebigen Facetten sondern wichtige Teilstrecken. Sie prägten Wojtyla von früher Kindheit. Der Tod seiner Mutter, seines Bruders, bald auch seines Vaters, der Schrecken der Shoah, die von den nihilistischen Ideologien des Nationalsozialismus und des Kommunismus geknebelte Würde des Menschen formten ihn zum rebellischen Kämpfer für das Leben, die menschliche Person und seine Würde.  Sein Glaube, hart errungen und deshalb  einfach und authentisch und zuweilen auch hart, war und ist für viele bis heute Quelle der Inspiration. Ein existentieller Glaube, der alles auf eine Karte setzt- bis zum Ende.

Heute verehrt ihn die Kirche als Heiligen. Bei manchen löst dies zumindest zwiespältige Gefühle aus. Zu offensichtlich waren nicht nur persönliche Ecken und Kanten sondern auch handfeste Schwächen seines  siebenundzwanzigjährigen Pontifikats.  Diese Reserviertheit übersieht vor allem eines: Heilige sind authentische Zeugen des Glaubens. Menschen mit Fehlern und  deutlichen Schwächen. Aber nicht, ob sie in diesem oder jenem Fall versagt haben, ist die Frage, sondern ob sie uns Wegweiser auf der Suche nach Gott  waren und sind.  Johannes Paul II hat zweifellos in seinem bewegten Leben, seinem intellektuellen Ringen und Engagement als Christ und Bischof einen existentiellen Glauben verkörpert, der Generationen von Christen prägte und sich gerade im Ernstfall des Todes als überzeugend erwies.

Ein Zeugnis, das auch nach elf Jahren noch im Bewusstsein der Kirche  ganz präsent ist. Präsent auch sein letzte großes Vermächtnis- die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes. Seine Saat, die in unseren Tagen gerade anfängt, zu sprossen.

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