Spuren der Auferstehung

   
 

Woher diese ruhige Heiterkeit, die er ausstrahlt, wird er gefragt.- Eine fast übermenschliche Heiterkeit, angesichts der Tatsache, dass er als Säugling ausgesetzt wurde, von gut meinenden Pflegerinnen zwar getauft ,dennoch bald als „Judenbalg“ von einer Besserungsanstalt zur anderen geschoben, im berüchtigten Wiener Spiegelgrund und schließlich im Konzentrationslager gequält und wenn auch schwer verletztdennoch gleich

mehrfach knapp dem Tod entronnen ist, im Alter von mehr als zwanzig Jahren zum ersten Mal in seinem Leben zärtlich umarmt wurde und allen ungünstigen Voraussetzungen zum Trotz eine glückliche Ehe und Familie gründete und jetzt im Alter, verwitwet mit allerlei schweren Krankheiten konfrontiert wird;die Antwort überrascht : es sei der Gleichmut, der er ihm im Lauf seines Lebens zugefallen ist. 
Er wisse, dass sein Leben geführt werde. Er zeigt mit dem Finger nach oben: 

die Sicherheit , dass „Er oben“ wisse, wann der richtige Zeitpunkt sei, schenke ihm den Gleichmut, die immer noch tief sitzenden Schmerzen, Ängste, Wut und den Groll zu ertragen und die Heiterkeit zu bewahren.
Ich sehe das Kreuz in seiner Wohnung. Er, der heute endlich stolz auf seine jüdische Herkunft hinweisen kann, bezieht seine Kraft aus einer tiefen Erfahrung des bestandenen Leidens, in dem er sich getragen erfährt. Ein wahrer Zeuge der Auferstehung.

Gedanken nach der Begegnung mit einem Überlebenden des NS-Terrors vor wenigen Tagen

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