Ein Fremdling wie all meine Väter (Psalm 38)

Lieber Armin ,

du hast gefragt, ob ich das Thema des „Dunkels“ vertiefen könnte. Und ich muss zugeben: das fällt mir nicht leicht. Alles was ich dazu sagen kann, wird kaum das Eigentliche treffen.

Trotzdem will ich beginnen. Sozusagen von außen her… wenn das überhaupt geht. Der große Antonius,  der Vater der Mönche kommt mir zu Hilfe. Morgen ist ja sein Festtag. Getroffen vom Wort Gottes flüchtet er „vor der Welt“ in die Wüste. Ich denke, er flüchtet noch mehr vor der Kirche, die längst Teil dieser Welt geworden  ist. Und ich fühle mich ihm sehr nahe.

Nahe fühle ich mich all diesen schrägen Vögeln: Antonius, Benedikt, Franziskus…bis herauf zu Thomas Merton und den Mönchen von Tibhirine oder dem Jesuiten Paolo dell’Oglio…  umso fremder dafür unter den frommen, rechtgläubigen Katholiken gleichermaßen wie unter denen, die meinen, das Christentum  in unsere Zeit „übersetzen zu müssen“. Beide strotzen vor Arroganz und elitärem Sendungsbewußtsein: sowohl die „Retter“ wie die „Reformer“ . Und noch fremder sind mir die „Frommen“, die so tun, als hätten sie rund um die Uhr freien Zutritt zu Gott. Ja, es gibt eine seltsame Ökumene der Exklusivität unter Christen aller Richtungen und Denominationen.

Ich würde gern Antonius folgen in die Wüste, denn das Erlebnis der Fremdheit mitten in der Kirche ist eine eiskalte Nacht. Der Weg in die Wüste ist mir verwehrt- Aber mein Platz ist die Schwelle. Ich weiß, ohne etwas zu beschönigen, dass ich weder streng-rechtgläubig, und noch weniger ein Reformer bin, ich bin auch kein wirklich Frommer- mein Brot sind die Psalmen.  Aus ihnen ist meine Schwelle gebaut. Sie sind Nachtlieder. Widersprüchlich und sehnsüchtig aufbegehrend. Es sind die Lieder Israels, vor allem sind sie die Lieder Jesu, und darum sind sie auch meine Lieder.

Nelly Sachs hat das schöne Gedicht David geschrieben,vielleicht kennst Du es:

Aber im Mannesjahr,

maß er, ein Vater der Dichter,

in Verzweiflung

die Entfernung zu Gott aus

und baute der Psalmen Nachtherbergen

für die Wegwunden

 

 

 

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