Berührt , gespürt und ähnliches

Gestern Abend durchs Internet gezappt: lifesteam aus Augsburg. 6000 Menschen lauschen gerührt  einer inhaltlich  anspruchslosen, rhetorisch unerträglichen Ausführung eines charismatischen Leaders. 

Ich ertrag es kaum fünf Minuten lang. Mich fasziniert allerdings der spirituelle Hunger so vieler Menschen und ich denke mit einem gewissen Zorn an die verkrusteten Kirchenbürokraten, die lieber darüber philosophieren wie sie wann und  in welcher Form doch jemandem den Gebrauch von Kondomen erlauben können dürfen müssen, derweil ihre Dome nur deshalb noch nicht Eishallen sind, weil schlicht genug Geld für (umweltschonende) Heizung übrig ist. Bloß: Gott lässt sich nicht isozertifizieren.  Da hören sich 6000 Leute abseits von Dom doch lieber gefühlvolle Vorträge an. Inhalt unwichtig. Spüren ist alles. 

  
Ich tappe weiter und finde auf demYouTube Kanal des französischen katholischen Senders kto ein  Gespräch mit dem Religionsphilosophen -oder ist er doch nur Religionssoziologe?-Frédéric  Lenoir. Die Sendung ist gut gemacht und ich bleibe hängen. Und in der einen Stunde wird mir das Dilemma meiner Generation klar. (Lenoir ist etwa mein Jahrgang): „ich bevorzuge Gottesdienste, in denen man das Gebet spürt“ sagt eigentlich schon alles. Aber noch faszinierender ist, dass der Gute( und das meine ich nicht hämisch) nur von sich selbst, seiner Suche, seiner spirituellen Erfahrung und seinem Gebet spricht. Wir sind eine Generation spiritueller Egoisten. Alles dreht sich darum, Gott zu spüren, das Gebet zu spüren, die Gegenwart zu fühlen. Und auf französisch hört sich das alles noch um ein Vielfaches eleganter an als im nüchternen Deutsch. 

Ihr merkt, worauf ich hinaus will: die Frage ist ernst: suchen wir Gott, glauben wir noch in die Dunkelheit hinein wie ein Ignatius, ein Juan de la Cruz, eine Mutter Teresa, die Mönche von Tibhirine……? Oder suchen wir nur Gefühle, spirituelle Erfahrungen, Berührungen mit dem „Transzendenten“, weil uns einfach zu kalt geworden ist. Zu kalt —auch in einer technokratischen Kirche….( Bodenheizung hin oder her)

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2 Gedanken zu “Berührt , gespürt und ähnliches

  1. Schade, dass du hier so schnell urteilst. Aus welchem Gefühl heraus triffst du es? 😉
    Ich bin überzeugt, dass du heute nur eine Minderheit über den Anspruch der Vernunft evangelisieren kannst. Was wir brauchen, ist eine Evangelisierung der Gefühle, um von dort aus den Weg zur Vernunft zu bahnen. Denn schließlich sollen wir Gott lieben, mit unserem Denken, aber auch mit all unseren Kräften – und dazu gehört auch das Gefühl.
    Vielleicht möchtest du Johannes Hartl noch eine Chance geben, dann höre dir den Vortrag von heute Vormittag an. Ich fand die gestrige Botschaft anspruchsvoll, voller Anspruch: wie gehe ich mit denen um, die in ihrem Glauben und Leben versagt haben?

    1. Es ging mir gar nicht nur um Augsburg. Auch das Gespräch mit Lenoir hat mich sehr nachdenklich gemacht. Klar haben Gefühle Platz im Glauben. Aber halt auch und nicht vor allem. Das Herz, das weißt du ja ist im biblischen Verständnis vor allem Ort von Vernunft und Willen. Es wäre gut, die rechten Verhältnisse wieder herzustellen.

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