zu simpel?

ImAnfangwardasWort

Heute beim Hören des Johannesprologs hab ich einmal mehr festgestellt: von allen vier Evangelisten, trifft und prägt mich Johannes am meisten.

Dann den Gedanken weitergesponnen: geht man davon aus, dass jeder Verfasser der kanonischen Evangelien eine bestimmte Zielgruppe oder gar eine bestimmte Gemeinde vor Augen hatte, was wäre bloß geschehen, wenn in eine der frühen johanneischen Gemeinden ein neuer Episkopos gekommen wäre, der dieser Gemeinde z.B. das Lukasevangelium vorgetragen hätte:

ich vermute: Aufschrei und Empörung. Was uns heutigen als Ergänzung oder gar Parallelen erscheint, kann dieser Gemeinde nur als Provokation erschienen sein: ein armes Kind, geboren draußen vor der Stadt, gefunden von Hirten, absoluten badboys. Anstößig, rauh, inakzeptabel- dieses Evangelium. (Vielleicht sogar häretisch- wo bleibt der Logos? Wo die „Gnade und Wahrheit“?….)

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Diese Gedanken mögen etwas zu simpel und an den Haaren herbeigezogen, erscheinen. Ich denke nur, dass wir in der Kirche gerade so etwas Ähnliches erleben:

Nach Jahrhunderten europäischer, theologischer Finesse, verkündet zurzeit ein aus Lateinamerka stammender Bischof von Rom ein Evangelium von der Vorstadt, von Armen und Gescheiterten, denen das Evangelium genau die Erlösung gebracht hat, die wir abgeschotteten Europäer bisher in erster Linie mit  unseren „Kirchengesangsbüchern in Kunstleder“ gesungen haben.

Das ist oft verwirrend, anstößig….manche wittern Ketzerei. Ja, und ehrlich gesagt , diese Erschütterung hat auch ihr Gutes. Katholisch zu sein bedeutet, einen gelassenen, immer weiteren Blick zu bekommen. Es tut mir gut, auch Markus, Matthäus und Lukas zu lesen, gerade um die Botschaft von Johannes zu vertiefen.

So ist es auch nicht anstößig zu sagen: ich finde Papst Franziskus erfrischend, befreiend, genauso wenig ist es aber unehrenhaft, wenn einer sagt, Franziskus ist Papst, Benedikt, Johannes Paul ; Paul VI oder wer immer, haben mir aber mehr gesagt….

So wenig wie es um die Verfasser der Evangelien geht, ihren Stil, ihre Erzählabsicht oder ihre Gemeinde- so wichtig all diese Aspekte sind, um ihre Botschaft zu verstehen- so wenig geht es um die Person, den Stil, die Schwerpunkte oder die Wortwahl eines Papstes.

Es geht um Jesus, den Christus, der der selbe ist:  gestern, heute und in Ewigkeit.Und darum, dass er bei Dir, bei mir und vor allem auch bei meinen Nachbarn und Kollegen ankommt und Aufnahme findet.

Allen nämlich, die Ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden. Und wer will das nicht?

 

 

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