Das Wort des Zeugnisses

Ein Vers in der Vesper, über den ich jeden Donnerstag stolpere, weil er mir gar so quer über die Lippen kommt- ein Lied aus der Offenbarung des Johannes:

„…durch das Wort ihres Zeugnisses: denn sie hielten ihr Leben nicht fest bis hinein in den Tod, darum jubelt ihr Himmel“

— immer zeitlos und auf keinen Fall eine Ermutigung, es sich bequem einzurichten in seiner „kleinen, braven Frömmigkeit“ (in einem „Glauben“, den Papst Franziskus heute in seiner Ansprache an die Priester Roms  als“steril“ bezeichnete)

Das Beispiel eines nicht sterilen Glaubens gab der pakistanische Politiker Shabbazz Bhatti, an dessen Ermordung vor sechs Jahren uns der 2. März immer erinnert: – bis hinein in den Tod….

 

Geheimnis und Umkehr

„…Dein Vater, der das Verborgene sieht…“ Dieser Gedanke zieht sich durch die Stelle des Evangeliums, das in der römischen Liturgie die vierzigtägige Pilgerschaft „hinauf nach Jerusalem, hinauf zum Pascha“ eröffnet. 


Das Bewusstsein, dass das, was uns ins Auge fällt zu wenig ist, leuchtet uns ein. Den Blick aber zu schärfen für die Wirklichkeit, die hinter jedem und allen steht, fordert schon mehr und die Botschaft, dass wir dort, „wo uns keiner sieht“ gar nicht allein sind, sondern von einem Vater erwartet werden, macht froh und unruhig zugleich.Da gibt es aber auch noch einen anderen Aspekt. Das Bewusstsein für das innere Leben jedes Mitmenschen, sein für uns unzugänglichen Geheimnis schärft unseren Blick und wir lernen, in unserem Umgang behutsam und mit unseren Urteilen zurückhaltend zu werden. Das ist ein zugegebenermaßen langer Prozess. Es fordert die radikale Abkehr von vermeintlichem Wissen, „unserem System aus „a priori’s“, starren Zuordnungen und „Glaubenssätzen“.

Wenn wir unserem Gegenüber und der Realität um uns mit dem Blick dafür begegnen, dass sie so wie wir auf die Vollendung in Gott hin angelegt sind, haben wir genau die Reinheit des Herzens, die kontemplative Grundhaltung, zu der uns das Evangelium ruft und dann verändert sich die Welt auf eine Weise, die uns zwar verborgen ist, die aber „unser himmlischer Vater schon längst sieht“.

 

  

Sieger oder Besiegt ?

Fabiano Antoniani, genannt Fabo ein junger Italiener hat in einer Schweizer Klinik das erhalten, was er wollte: den assistierten Suizid, zu dem er durch die Folgen eines schweren Unfalls nicht ( mehr) fähig war. Die Betroffenheit in seiner Heimat Italien ist groß. Eines ist unabhängig vom persönlichen Standpunkt zu diesem Fall klar: es  gibt auf keinen Fall einen Gewinner.Völlig unangemessen sind daher moralisierende Kommentare egal welcher Art. Wer von uns kann sich in die Verzweiflung eines Fabo  versetzen? 

Er hat nicht gesiegt er hat aufgegeben. Und wir alle sollten vor allem still werden und die Niederlage eingestehen, die jeder Suizid bedeutet. 

Was allerdings thematisiert werden darf, ist die Belastung des medizinischen Personals, die beim Suizid -in der technokratischen Schweiz kühl auch Exit genannt- mitwirken muss. Ich habe kürzlich aus erster Hand  davon erfahren. Natürlich kann man sich als Arzt und Pflegepersonal (noch) davon entschlagen. Aber jene, die daran mitwirken, leiden häufig in der Folge unter Depressionen und Schuldgefühlen. Man muss schon aus Holz  sein, wenn man als Exit- Assistent nicht früher oder später psychiatrische Hilfe benötigt. 

Wer von all den Besserwissern beider moralisierender Lager spricht von diesen buchstäblich Betroffenen ?

Von der Farbe des Alltags

Gestern Sonntag war ich im Wiener Jüdischen Museum zur Ausstellung „Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938“. Vergessene, verdrängte, kaum oder nur halbherzig anerkannte Kunst, die nachdenklich stimmt. Hinter jedem Werk steht eine mitunter schräge, bestürzende, mutige, auf jeden Fall aber immer interessante Lebensgeschichte. Frauen, die Konventionen brachen, ihren Weg ohne Rücksicht auf Vorurteile gingen, sich durch eine Gesellschaft starrer Rollenbilder kämpften und den Bedrängnissen des entfesselten Hasses gegen Juden entweder tragisch zum Opfer fielen oder auf abenteuerlichen Odysseen entrinnen konnten. Sie vor dem gleichsam verordneten Vergessen zu bewahren, braucht es sicher mehr als diese Ausstellung. Zweifellos. Nur, darüber sollen sich andere den Kopf zerbrechen.Nachdenklich stimmte mich, dass Kunst ganz offensichtlich Parallelen zu Heroismus und Heiligkeit hat. Sie beschränkt sich nicht auf die „unsterblichen Genies“, die in den großen Museen dieser Welt tagtäglich tausende von Menschen anziehen. Kunst ist eine Art, dem Alltag die Farbe und Gestalt zu entwinden, die er hat und sie denen zu vermitteln, die sie vielleicht ersehnen, aber nicht sehen können. Kunst ist eine Kommunikation auf einer Ebene, die über sinnliche Erfahrung hinausgeht. Kunst geht jeden an und letztendlich lässt sich Kunst nicht zum Schweigen bringen. Künstlerisches Schaffen ist durchaus vergleichbar mit dem Gebet. Es erfordert Kampf, Ausdauer und den Mut, einsam seinen Weg zu gehen. Der Kunstschaffende verschwindet normalerweise hinter dem Werk, das ihn übersteigt und einen Weg durch diese Welt weist, den er selbst vielleicht nur erahnt hat.Kunst und Heiligkeit, – ein Thema, das mich seit gestern Nachmittag jedenfalls beschäftigt.

Und die Bibel hat doch recht

Ich bin es satt, in hämischen Kommentaren zu hören, Papst Franziskus sei selber schuld, wenn er wie gerade eben wieder („Lieber Atheist als schlechter Katholik“) von den Medien inclusive orf.at falsch zitiert wird. Ich finde es unerträglich, wenn gerade katholische Publizisten vom „Plapperpapst“ reden.  Franziskus verwendet anschauliche und kräftige Worte. Er scheut nicht den Klartext. Das ist wahr. Aber man muss dem Evangelium und der ganzen Schrift gegenüber schon sehr entfremdet sein, wenn man nicht erkennen will, dass seine Sprache direkt an die markige Sprache Jesu und der Propheten anknüpft. Dass er nun – auch von „Frommen“ – falsch zitiert oder irreführend interpretiert wird, hat ebenfalls Parallelen zur Hl. Schrift (-getroffene Hunde bellen eben laut. So das Sprichwort. Dass bellende Hunde nicht beissen, erweist sich allerdings gerade in diesem Zusammenhang als fromme Mär )

Nur von Katholiken, von Christen oder einfach von Menschen mit einer gesunden Selbstreflexion, können die täglichen Auslegungen zur Tagesliturgie in Santa Marta- bisher einzigartig in der Geschichte der Päpste- nur so verstanden werden, wie sie gemeint sind: als Auslegung des Wortes Gottes (für mich) heute. Dazu braucht es eben eine gewisse Freiheit des Geistes,                       aber auch das ist biblisch: (nur) Wer Ohren hat zu hören…, hört auch

Die Hoffnung 

Was in den unseligen innerkirchlichen Kämpfen egal auf welcher Ebene zurzeit so beschämend zum Vorschein kommt ist das massive Defizit sämtlicher theologaler Tugenden. Der vorherrschende Stil hat so gar nichts mit der Liebe zu tun, die angeblich einst die Attraktion der Kirche ausmachte. Vom Glauben wird zwar viel geredet allerdings auf eine erschütternd ungläubige Art und Weise. Gott scheint zu stören wenn er nicht in die gut konstruierten Vorstellungen passt. Die Wahrheit wird auf Mathematik verkürzt – “ … sicut Deus non daretur‘, wie schon Ratzinger vor Jahrzehnten diagnostizierte. Am schmerzlichsten aber ist die Abwesenheit aller Hoffnung. Von Katastrophen, Apostasie und Untergang ist die Rede statt von Auferstehung, Zukunft und Aufatmen. Die dubia stehen im Fokus  – Zweifel statt Vertrauen. Kann es darauf denn überhaupt je eine befriedigende Antwort geben?  

Zweifellos interessant 

Es ist doch erstaunlich: da erklärt ein – sine dubiis- katholischer Blog seine selbstverständliche Einheit mit dem Nachfolger Petri und erntet dafür Häme und Angriffe von akkurat jener Seite, die sich früher einmal als Blogozese definierte und mit Selbsterklärungen wie „Papisten“, ja sogar „Kettenhunde seiner Heiligkeit“ kokettierte.
Ja noch erstaunlicher: besagte Seiten, die früher selbst Unterschriften für Papst und rechten Glauben sammelten, fühlen sich von der Erklärung des Blogs „The Cathwalk“ angegriffen oder in Frage gestellt. Manche, die sich ihr anschlossen, erklären nun wortreich, warum sie gegen manche Bedenken doch unterschrieben haben, als müssten sie sich verteidigen…. Wahrhaftig ,ein erstaunliches Trauerspiel auf voller Länge. Was noch vor vier Jahren sakrosankt war: „Ubi Petrus ibi Ecclesia“, ist heute Anlass zu Spott, Hohn und Verärgerung.

Aber liebe Freunde von „The Cathwalk“, so wortgewandt mancher Eurer Kritiker sein mögen, es gibt auch einfache Katholiken, wie mich, die dank Eurer eindeutigen Erklärung endlich wieder anfangen, sich zuhause zu fühlen in der muffig gewordenen katholischen Nische der Blogosphäre.

So tricky manch ein „Hüter des wahren Glaubens“ (nein, David Berger und seine angeblich „ewige Philosophie“ ist ausdrücklich nicht gemeint. Der fällt bereits unter eine andere Kategorie) auch polemisiert, an der aufrichtigen Einheit mit dem Papst kommt kein Katholik vorbei. Die Geschichte zeigt dass jeder andere Versuch, so engagiert und wortgewaltig er auch war, zweifellos weit weg geführt hat von der Kirche des HERRN-und da ist es völlig unerheblich ob nach Wittenberg oder nach Konstantinopel.