Bekenntnis ?

Ich finde es gut und richtig, dass David Berger endlich das von ihm an verschiedenen Stellen verbreitete Gerücht der Homosexualität unseres emeritierten Papstes in aller Form widerruft. Nicht, weil ich diesen Geschichten jemals geglaubt hätte, sondern weil es die Gerechtigkeit an sich fordert, Falsches richtig zu stellen.

Zugleich verfällt aber, und ich erkenne keinen logischen Zusammenhang, Berger in ein neues Papstbashing und schließt sich ausgerechnet den haltlosen Thesen von Alexander Kissler gegen Papst Franziskus  an.

Ehrlich gesagt, halte ich erstere Verleumdung in jeder Form für inakzeptabel. Ich habe, wie gesagt,  Bergers Rede von angeblichen Beweisen der Homosexualität Papst Benedikts nie Glauben geschenkt. Sie tat weh. Ich litt mit dem Papst. Aber ich leide über die philosophisch und theologisch maskierte in Wahrheit aber eitle und meist hanebüchen konstruierte Kritik am Papst Franziskus nicht weniger. Genauer besehen ist sie noch perfider, gerade weil sie sich so fachmännisch und wissend gibt.

Kurz: war das erste Papstbashing leicht durchschaubar und daher auch leicht abwinkbar ist das neue gefinkelter und daher in sich deutlich ungerechter . Es wird diesem Papst, der nichts anderes will, als uns alle dem Evangelium, d.h. der Begegnung mit Jesus näher zu bringen, schwer unrecht getan , man  verdreht seine Botschaft, diskreditiert ihn und das nur weil man sich weigert, ihm auch nur ein wenig an Wohlwollen entgegen zu bringen, ohne das jedes Verstehen unmöglich ist, um den emeritierten Papst zu zitieren.

Meine Frage an David Berger: wem nützt derlei „Bekenntnis“?

zu-Mutung

Wenn jemand sagt, das Christentum sei eine Religion der Liebe, bekomme ich Gänsehaut. Nicht einmal um Nächstenliebe geht es.
Unmögliches ist angesagt- eine empörende Forderung, die jede Vernunft übersteigt: es geht darum, den Feind zu lieben. Und verwechselt das nur ja nicht mit paradoxer Intervention! Es geht tatsächlich darum, dem Feind Gutes zu wollen und Gutes zu tun. Ohne Bedingungen, ohne Erwartungen. Es ändert sich nichts: der Feind bleibt Feind. Er wird mir vermutlich nicht besser gesonnen sein, nur weil ich ihm Gutes will. Im Gegenteil: Er wird es mir als Schwäche auslegen und mich erst recht treten und verhöhnen. Und trotzdem soll ich ihn lieben.
Das, Herrschaften, ist der Anspruch des Evangeliums. Und da komme mir noch ein nach Macht und Kraft strebender Nietzsche daher und jammere mir das Christentum als verweichlichte, feminine Religion krank! Nirgendwo wächst der Mensch mehr über sich hinaus, als in der Feindesliebe.
Ob ich das erlebt habe? Kaum, denn wenn überhaupt ist mir die Feindesliebe bisher höchstens in Ansätzen gelungen, in Spuren und dann meist in ihr Zerrbild gerutscht: in Nachgiebigkeit und verwaschene Toleranz.
Feindesliebe welch ein großartiger Wahnsinn, aber was für eine ungeheure Kraft steckt in ihr! Was für eine Umkehrung der Werte, was für eine Revolution! Ihr Preis aber ist zumindest das eigene Leben.
 
 
 

Mio Dio, perché ?

Seit dem Morgen gehen mir ständig die Bilder verschütteter Menschen durch den Kopf. Verschütteter, überrascht von den Gewalten der Schöpfung die in Geburtswehen liegt und ihr Drama in seiner ganzen Tiefe offenbart. Es geht mir alles so nahe weil das Erdbeben in Italien zunächst geographisch aber auch mir persönlich sehr nahe ist. Es gibt keine Antwort auf meine spontanes Gebet heute morgen:“Warum, Herr ?“
Die Antwort auf diese Frage ist die Frage des Nathanael- Bartholomäus, dessen Fest heute gefeiert wird: 

„Der Messias – aus Nazareth ?“ Was für eine Zumutung ist doch die christliche Botschaft. Von Anfang an, ungebrochen – bis heute.  
Machen wir uns  nichts vor: Gewalt, Katastrophen, Opfer ohne Zahl ist in gewisser Weise der Normalzustand dieser Welt. Dass der christliche Glaube nur trägt wenn er in seiner Zumutung ganz angenommen wird, zeigt das Leben der großen und kleinen Heiligen. Das ist nichts, was man hat, sondern wie vom Stammvater Ja’akov ständig erkämpft wird. „Rabbi du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel“( Nathanael im heutigen Evangelium ) ist kein Schönwetterbekenntnis sondern erkämpfte, abgetrotzte Gnade. 
All das wird Menschen, die gerade unter den Trümmern ihrer Häuser verschüttet die Hoffnung aufgeben kaum zugänglich sein. Gerade daher ist es für alle, die davon angerührt sind der einzige wirkliche Dienst , den man ihnen aus der Ferne erweisen kann. Papst Franziskus hat heute Mittag das einzig Richtige getan. Er hat uns vorgebetet. Beten heißt kämpfen bis zum letzten Atemzug. Ein Tag wie dieser führt und wieder genau dahin. 

Zugefallen

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Gestern aus heiterem Himmel eine Reliquie des Seligen Rupert Mayer bekommen.Meine Frau rümpfte die Nase ob meiner Freude.Ich weiß: das muss man nicht verstehen, aber ich kann nicht anders: mich berührt diese plötzliche, unerwartete greifbare Nähe zu einem meiner großen Vorbilder unbeschreiblich. Vielleicht ist das eine Art katholisch-genetische Disposition, hereditär; vielleicht sitzt sie fest verankert in bestimmten Synapsenspalten meines ZNS.

Wie auch immer.-Katholizismus ist zutiefst sinnlich und in gewisser Weise auch einfach. Ein kleines Stück der Soutane eines Seligen reicht schon, um sich näher am Ort des Geschehens zu fühlen: am Reich Gottes, an der Gemeinschaft der (oder besser am ) Heiligen. Und all das ohne Vorleistung, ohne  selbst ein Heiliger zu sein, völlig unverdient und unerwartet.

 

17.August….

Ich weiß es noch genau: es war heute vor 33 Jahren- früher nannte man diese Zeitspanne das „Vollalter Christi“- da stand ich etwas unruhig und voller Erwartung vor dem Kapitelzimmer der Abtei und harrte, gemeinsam mit einem anderen Postulanten. Drinnen psalmodierten die Mönche die Morgenpsalmen. Irgendwann ging die Tür auf und der Novizenmeister führte uns in den Raum. In der Mitte stand der alte, gebeugte Subprior – der Abt stand schweigend wie die übrigen anwesenden Mönche in seiner Chorstalle der Prior, der eigentlich die Aufgabe hatte, Novizen aufzunehmen und einzukleiden, war in jenen Tagen in Brasilien, um dort engagierte Mitbrüder zu besuchen, – und nahm uns in Empfang. Was dann geschah, davon habe ich nur mehr Umrisse vor Augen. Es wurden mir wohl ein oder zwei rituelle Fragen gestellt. Danach empfing ich sowohl Ordensgewand, die Benediktsregel und den Ordensnamen. Der etwas grobschlächtige Novizenmeister steckte mich, da es dem gebrechlichen Subprior etwas schwer fiel, in den Habit wie in einen Sack. Mit einem Anflug von Spott knüpfte er mir die Kapuze um. Und schon am selben Tag wollte er, dass ich sie wieder abnehme, da die Kapuze in österreichischen Klöstern überwiegend als Zeichen übertriebenen monastischen Eifers abgelehnt ja zuweilen regelrecht verachtet wird. Ich mochte sie und behielt sie. Das war eigentlich schon in gewisser Weise der Anfang vom Ende: mein Hang, Konventionen zu brechen. Ich trug die Kapuze alle die Jahre hindurch und in den letzten Jahren ersetzte ich den Stoffgürtel, der mir zu feudal und klerikal erschien durch einen Lederriemen, was einer kleineren Revolution gleichkam. Doch wesentlich einschneidender als der Habit war der Ordensname. Denn er war eine Art neue Identität. Ein Programm fürs Leben. Kurz: mit dem Namen Johannes, des Apostel und Evangelisten bekam ich meinen Platz in der Reihe der Mönche. Damals war ich entschlossen.,für immer zu bleiben. Entschlossen ist das falsche Wort. Ich war mir sicher: das ist für immer.

Weniger genau sind meine Erinnerungen an den 17. August 1988. An diesem Tag verließ ich das Kloster mit gemischten Gefühlen, unauffällig, fast wie einer, der sich heimlich davonstiehlt. Ich weiß, dass ich die eindeutige Klarheit hatte, das Richtige zu tun zugleich aber alles aufgegeben hatte, was mir wichtig und teuer, was mir Heimat war. Es war ein Schritt in die absolute Ungewissheit. Alle Sicherheit, für immer an jenem Ort auszuharren, war zerbrochen wie kostbares Porzellan, das ich nicht sorgsam genug behandelt hatte. Lange noch dachte ich, ich könnte, die Scherben wieder zusammenfügen und hielt mich an Formen und Ritualen fest, die ich mir in den Jahren meines ganz und gar nicht beschaulichen Klosterlebens angeeignet hatte. Oft war das auch eine Last und nur langsam bröckelte das meiste davon wie verwittertes Gestein ab. Erst heute kann ich sowohl mit Dankbarkeit das Gute entdecken, das die Jahrzehnte überdauert hat und die Verletzungen aus jener Zeit mit größerer Ruhe betrachten. Nein, noch immer nicht ganz ohne Groll, schon gar nicht jetzt da der Abgrund jener Kälte und Leere, in der mein Porzellan zerschellt war erst auf Umwegen ans Licht kam. Nicht ohne Groll also, aber doch gelassener.

Ganz genau weiß ich, was heute vor 17 Jahren geschah: an jenem 17. August kam unser jüngster Sohn zur Welt. Einige Tage zuvor war ganz Österreich im Bann des Naturschauspiels einer beeindruckenden, fast Furcht einflößenden Sonnenfinsternis. Ich weiß noch, dass mir aller Ratio zum Trotz der Gedanke kam: nein, nur heute nicht. Wenn, dann an Maria Himmelfahrt, sollte unser Kind geboren werden. Der Bezug zu Liturgie und Festtagen hatte mich ja nie verlassen. Unser Jüngster kündigte sich dann am 17. August morgens an. Es wurde allerdings 15:15 Uhr bis er ankam und wie immer befiel mich augenblicklich eine Mischung aus Erschöpfung, Erleichterung und tiefem- wie soll ich es nennen- Glück. Einfach so. Dieses Gefühl, trotz aller Erwartung dann doch überrumpelt zu werden, hatte ich zumindest als Vater bei jeder einzelnen Geburt unserer Kinder. Kinder – heute sind sie ja bereits junge Erwachsene und rümpfen die Nase, wenn ich von „unseren Kindern“ rede. Jedes Mal war es für mich ein neues Wunder: neues Leben, kaum zu fassen, auch wenn ich es fest und behutsam im Arm hielt. Staunen, Schweigen, Dankbarkeit…so ähnlich stelle ich mir Visionen vor. Die Geburten unserer Kinder waren wohl die stärksten und prägendsten geistlichen Erlebnisse meines Lebens. Ich war jedes Mal völlig hingerissen und hatte das Gefühl, das zugleich Heiligste und Zerbrechlichste in Händen zu halten. Unvergleichlich kostbarer als jedes noch so kostbare Porzellan. Nur eines konnte ich mir auch an jenem 17. August nicht verkneifen: den spontanen Impuls nämlich, seinem Namen einen zweiten hinzuzufügen. – erraten: Johannes, erraten….

Wes Geistes

Eine, nein vielleicht die wesentliche Kraft unseres Geistes ist unser Wille.  Allein die Vorstellung, dieser sei Manifestation  von außen geformter neuronaler Mechanismen kommt einer Abdankung des Menschen gleich. Wahr ist, dass es wesentlich an und liegt, den Willen zu formen und zu üben.  Wahr ist, dass er wie alles Menschliche ständig bedroht ist. Aber ohne unseren Willen vermögen wir weder zu glauben noch zu lieben und am wenigsten zu hoffen. Lässt das die Gnade außen vor ? Keinesfalls. Doch gerade die Gnade braucht unsren Willen, um sich zu verwirklichen.   

Die triste Weltsicht, die sich wie eine Immunschwäche gerade auch unter Christen breitmacht, ist wesentlich ein Mangel an guten Willen.